Nichtsdestotrotz will ich das alte Sprichwort als Sinnbild für meine Hinwendung zum Qigong verwenden. Als ich das erste Mal mit Qigong in Berührung kam, war es in etwa so, als ob ich nach jahrelanger Verköstigung mit Schweizer Küche das erste Mal Marokkanisch probierte. Nur dass der feine Nachgeschmack bis heute andauert.

Es war in einer Zeit als mich als selbständiger Unternehmer schwere Rückenschmerzen plagten. Mein Arzt erklärte mir – dem sprichwörtlichen Bauern gleich –, dass einzig und allein ein chirurgischer Eingriff das Rückenproblem beheben wird. Doch, ich hatte Bedenken. Der Rücken ist ein sensibles Geflecht. Geht etwas schief, gehst du am Stock. Ich dachte für mich, die Schulmedizin kann das Schnipo als das einzig essbare Gericht hinstellen und Marokkanische Mezze verteufeln. Meinen Rücken brauche ich noch. Und ich informierte mich über alternative Heilmethoden. So stiess ich auch auf Qigong. Meine Frau hielt mir dann eines Tages eine DVD unter die Nase und meinte: «Für mich ist das nichts, aber dir könnte das gefallen!» Es handelte sich um die «Stehende Säule Zhang Zuang», eine Art Stehmeditation. Ich schob die DVD ein und machte unvoreingenommen mit. Es war verrückt: Nach etwa 2 Minuten begann mein Körper zu zittern und zu transpirieren. Der Schweiss tropfte mir von den Ellbogen. Dabei stand ich doch einfach nur ruhig da! Mein Nervensystem zeigte heftige Reaktionen.

Vermutlich war mir das etwas zu anstrengend, also gab ich die DVD an die Bibliothek zurück. Auf der Suche nach einer Schule für Atemtherapie, stiess ich im Internet erneut auf Qigong. Nach nur einem Schnupperweekend entschied ich mich prompt für die Ausbildung zum Qigong-Lehrer bei der TQZ in Luzern. Ich bestellte quasi das 8-Gang Menu, welches während 3 Jahren monatlich serviert wurde, ohne dass ich die Küche dahinter kannte. Zudem war ich nicht sicher, ob ich die Ausbildung mit meinen starken Rückenschmerzen überhaupt durchstehen würde. Doch alles kam gut. Dank dem einmaligen Bauchentscheid erfuhren meine Rückenbeschwerden Linderung ganz ohne OP. Ich lernte mich und meine Körperfunktionen neu kennen und fand damit einen Weg aus den mich belastenden Verhaltensmustern. Es war, wie wenn ich durch den Entscheid einmal zum Marokkaner essen zu gehen, die komplette Arabische Küche mit all ihren Gewürzen entdecken durfte.

Der sprichwörtliche Bauer weiss nicht, was ihm entgeht, wenn er sich gegen alles Neue verschliesst! Meine Erfahrung sagt: Lasse dich mit Entdeckergeist auf Neues ein. Beobachte, wie wenn du zum ersten Mal ein neues Gericht probierst. Entdecke den Geschmack, die Konsistenz und die Wirkung. Du kannst nur gewinnen. Weshalb nicht mal Qigong ausprobieren?